Lohaesle


Mysterium Waschmaschine oder der gefilzte Katzenleichensack
2. Oktober 2009, 08:54
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sockeIch habe eine todsichere Methode herausgefunden, um zu überprüfen, ob die Heizstäbe meiner Waschmaschine noch einwandfrei funktionieren. Klar, werdet Ihr sagen, man öffnet die Türe nach dem Waschgang, steckt die Hand hinein und wird bei 90 Grad-Wäsche allein durch den Schmerz beruhigt, dass die gute alte AEG tut, was man ihr befiehlt. So einfach ist das aber nicht, denn durch das Abpumpen des Wassers und das Schleudern kühlt ja die auf Frischluft wartende Wäsche wieder aus, sagt meine Frau. Der Abbruch des Waschvorgangs, also ein Livetest, würde aber voraussetzen, dass man die Gebrauchsanleitung in männlicher Überheblichkeit nicht gleich mit der Transportkartonage entsorgt hätte (halloooooh, Gebrauchsanweisung für vier Knöpfe und ein Rädchen?) Und da für durchschnittliche Hartz-IV-Bezugsverweigerer und andere Selbstständige der Arbeitstag erst gegen 20:00 Uhr endet, findet die lästige Waschmaschinenkonferenz auch erst nach der allabendlichen Pflege der Sozialkontakte, der xten Wiederholung von Desperate Housewives oder nach der Verkündung des DSDS-Urteils spät nachts statt. Um nicht gegen 02:30 Uhr den Wecker stellen zu müssen, verlassen wir uns auf unser schlechtes Gewissen, das keinen Grund findet, die Hitzeleistung des vor 15 Jahren zugelegten Guten Stücks in Frage zu stellen. Was aber wenn das Ding gar nicht heizt. Was, wenn die Flecken in den T-Shirts doch herausgegangen wären, und das Lieblingsstück nicht mit dem Roten Kreuz nach Uganda hätte fliegen müssen.

Die definitiv einfachste Methode ist, der voll berufstätigen Lebensgefährtin das Gefühl zu vermitteln, im Ranking der Berufsmütter-Kreativitäts-Charts der Klasse 3b der Stammheimer Grundschule lediglich einen soliden 31. Platz zu belegen. Nachdem sich Frau Anwältin erfolgreich gegen alle Akquise-Maßnahmen der Filz-, Bastel-, Serviettentechnik- und Keilrahmenmalerei-Hisbollah widersetzt hatte, kam der Zusammenbruch an einem kalten Januarabend dieses Jahres. Vielleicht waren es die traurigen Augen unserer achtjährigen Tochter ob der Tatsache, dass die Klassenkameradinnen grundsätzlich mit selbst gestrickten Handschuhen, also mit einer gehörig größeren Portion an Mutterliebe ins morgendliche Dunkel gen Schule entlassen werden, während unser Balg sich nicht zwischen den Schals von Jacko-O, Esprit oder Benetton entscheiden kann. Vielleicht war es aber auch nur der beiläufig dahin erzählte Satz beim Abendessen, dass alle anderen Kinder der Kernzeitbetreuung selbst gefilzte Hausschuhe tragen, nur unser Kind nicht. Dabei muss ich nicht erwähnen, dass seit dem Einschulungsvorgespräch die gesamte Elternschaft ein besonderes Auge auf das Sozialverhalten und die Gesundheit unseres Kindes wirft, da auf die Frage, wessen Kind denn hier überhaupt eine nachschulische Betreuung in Anspruch nehmen muss, lediglich sechs Hände in die Höhe schnellten. Vier davon gehörten mir und meiner Frau, zwei weiteren alleinerziehenden Müttern wurde es nicht übel genommen. Obwohl wir wussten, dass wir durch die bestialische Abschiebung unseres Kindes in die Kernzeitbetreuung bis 14:30 Uhr hier im Pietkong zwischen Stuttgart und dem Schwarzwald gesellschaftlich auf einer Ebene mit Osama Bin Laden und Saddam Hussein stehen, haben wir diesen Schritt gewagt. Wir wussten aber auch, dass eine Erkältung aufgrund nicht vorhandener selbst strickgefilzter Hausschuhe das Todesurteil im ersten Krisengespräch mit dem Jugendamt bedeutet hätte.

Die nächsten zehn Abende gehören zu den Geschichten, die Generationen nach mir noch über mich und Frau Anwältin zum Besten geben werden. Auf Familienfeiern, Jubiläen und Leichenschmausen, also dort, wo sich der harte Kern der Familientradition treffen wird. Denn Frau Anwältin begann Socken zu stricken. Socken aus Filzwolle. Ich weiß nicht, was schlimmer war. Die unglaubliche Anzahl an Gründen, warum das Stricken – abgesehen vom Seelenheil unserer Tochter – eine gar tolle Idee sei oder das Geräusch der Rundstricknadel, die jede Spannung beim Verkünden des Unter Volldampf-Tagessiegers im Restaurant Fockenficker in Luntrup ob der Heide tötet.

Vorab ein paar wichtige Informationen für alle Nichtfilzstricker: Ja, der Hausschuh für eine Achtjährige muss so groß sein wie ein Katzenleichensack, denn er geht beim Waschen ein. Ja, es ist völlig normal, wenn Eure Partnerin spät abends zu Intersport fährt und Tennisbälle kauft. Die gehören nämlich zum Leichensack in die Waschmaschine. Nein, Kindertennisbälle sind nicht geeignet, am besten aber die teuren von Donnay, die filzen hervorragend.

Irgendwann war der Monstersocken dann auch fertig, so groß wie das halbe Sofa. Witzig nur, dass er nach dem Waschen immer noch mindestens zwei Katzen geschluckt hätte. Dann eben noch mal ab in die Maschine. Immer noch unverändert. Da hat wohl die Filzwollenfachverkäuferin gleich erkannt, dass sie der Frau Anwältin bei der an den Tag gelegten Euphorie gut und gerne auch die nichtfilzenden Restwaren aufs Auge drücken kann. Die wusste ja nicht, dass sie es mit einer Anwältin zu tun hat. Um die Geschichte abzukürzen: Nachdem unterschiedlichste Varianten, Größen und Materialien verstrickt waren und die Hausschuhe immer noch aussahen wie Katzenleichensäcke und die Klage gegen die Fachverkäuferin gedanklich ebenso fertig war wie der Einspruch gegen das Vernachlässigungsurteil am Den Haager Tribunal für Menschenrechte, entschärfte ich die ausweglose Situation Bruce-Willis-gleich durch drei Worte: Ist die kaputt?

Der Monteur bestätigte am nächsten Tag die waghalsige These, bot ein Gerät der Effizienzklasse AAAAA++++++ an und wusste, dass wir aufgrund unserer Philosophie „support your local dealer“ sowie der Lohas-Vermutung das Geschäft mit ihm machen würden. Jetzt können wir wieder heiß waschen, die Socken gehen wieder ein und das Jugendamt hat keine Chance.

Übrigens: alle paar Wochen sollen wir das Zusatzwasser-Programm dazu programmieren, da die heutigen Maschinen mit so wenig Wasser waschen, dass das Waschmittel nicht vollständig herausgewaschen wird.



Öko-Fashion in Böörlin
20. August 2009, 09:06
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 oekoshop_berlin„Ökomode“, „Organic Fashion“ oder „Green Fashion“ - im besten Falle haben sie eines gemeinsam: Sie sind aus öko-korrekten Materialien wie Bio-Baumwolle hergestellt. Und sie erfüllen die Fair-Trade-Kriterien. Der Kundenkreis für Ökomode wächst  stetig: Immer mehr Menschen verzichten auf Billigklamotten, weil sie wissen, dass diese Kleidung häufig für Ausbeutung, Kinderarbeit oder Umweltverschmutzung steht. 

In Berlin-Kreuzberg eröffnete nun ein Geschäft, das ausschließlich „Green Fashion“ anbietet. “Everyday is like sunday” auf der Reichenberger Straße bietet eine schöne Auswahl an Shirts, Röcken, Kleidern, Hoodies, Taschen und mehr – alles “öko”, fair und nachhaltig hergestellt. Und überhaupt nicht langweilig: Junge Berliner und Hamburger Modelabels wie “Slowmo” oder “Fairliebt” sind hier genauso vertreten wie englische Hersteller (zum Beispiel Peopletree, Epona, Pants to poverty). Wichtig ist den Inhabern, dass alles bezahlbar ist: Hier gibt es keine überteuert-exklusiven Designer-Einzelstücke, sondern Mode, die sich trotz nachhaltiger Herstellung und hochwertiger Qualität auf einem mit konventionellen Markenlabels vergleichenbaren Preisniveau bewegt.

Dazu gibt es Bio-Kosmetik aus Berlin, leckere Bio-Schokoladen, witzige Recyclingumschläge und einiges mehr. Die Inhaber Sandra König und Patrick Bolk haben bereits Anfang 2009 den Bio-Gastroführer „Berlin isst Bio“ herausgebracht. Nun bieten sie mit ihrem Laden allen Berlinern und Besuchern die Möglichkeit, sich nachhaltig zu kleiden. Zumindest den weiblichn – denn derzeit besteht das Sortiment ausschließlich aus Frauenkleidung, Männersachen sollen aber in Kürze folgen.

Mehr Infos gibt es unter www.everydayislikesunday.de



Wer suchet, der rettet
14. Juli 2009, 16:19
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frog_de 

Na, was haben wir denn da? Eine öko-korrekte Online-Suchmaschine. Das finden wir prima und haben die Suchleiste sofort auf unseren Rechnern installiert. Das geht ganz einfach über: http://forestle.org/_lang/de/search_plugin.php?step=1

Forestle ist eine unabhängige nicht-profitorientierte Webseite. Alle Überschüsse gehen an eine gemeinnützige Partnerorganisation (The Nature Conservancy) und kommen dem nachhaltigen Schutz der Regenwälder weltweit zugute. Jeden Monat veröffentlicht Forestle Belege zur geretteten Regenwaldfläche. Pro Suche sind das mehr als 0,1 m², im Jahr circa 100 m², in der Summe bisher mehr als 860.000 m². Genug des Zahlenspiels, wir meinen: Mitmachen lohnt sich! Und unser Lo-Häsle freut sich über einen neuen Freund, den Forestle-Frosch – von dem wir leider nicht wissen wie er heißt.

Mehr Informationen gibt es unter www.forestle.org



KarmaKonsum und das Goldgelbe Löwenäffchen
20. Juni 2009, 16:08
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gorillamobil

                Naturschutz-Botschafter Herta Meier und Peter Schecher im Einsatz

 

Während bei der KarmaKonsum Konferenz in der Frankfurter Börse vor lauter Vorträgen und Studien die Lohas-Köpfe rauchen, rauchen wir vor dem Gebäude eine. Da steht auch er, der Infostand, vielmehr – und korrekterweise – das Gorillamobil der Naturschutz-Botschafter des Frankfurter Zoo und der Naturschutzorganisation Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Wir kommen ins Gespräch mit Peter Schecher, der an diesem Tag gemeinsam mit Herta Meier für die vom Aussterben bedrohten Gorillas ausgemusterte Handys sammelt. Pro Gerät gehen drei Euro auf das Habenkonto der Tiere. Doch „die von der Börse haben nicht so viel Interesse“ mutmaßt Peter Schecher, der bereits seit elf Uhr Passanten charmant und zurückhaltend über die Arbeit der Naturschutz-Botschafter aufklärt.

Seit dreieinhalb Jahren ist er Teil des Teams, das aus 54 Ehrenamtlichen besteht. Mit dem Infomobil sind sie schwerpunktmäßig im Frankfurter Zoo im Einsatz, werden aber auch zu Schulprojekttagen oder von Firmen eingeladen und sind in der Stadt unterwegs. Naturschutz-Botschafter  wird man nicht einfach so: Nach Vorgesprächen absolvierten die Ehrenamtlichen ein ausführliches Seminar über Umweltschutz und Artenvielfalt, sodass sie Interessierten fachkundig Auskunft geben können. So weiß Peter Schecher, dass es dem Goldgelben Löwenäffchen wieder besser geht. Nur noch wenige Exemplare tummelten sich in Brasilien, weil ihr zu Hause, der atlantische Küstenregenwald, großflächigen Eukalyptusplantagen weichen musste. „Jetzt sind sie fast wieder alleine überlebensfähig,“ und das auch Dank des Einsatzes von Peter Schecher und Kollegen. Im „Jahr des Gorillas 2009“ gilt es nun, mit dem Gorillamobil auf die dramatische Situation der Tiere aufmerksam zu machen. Der Erlös der Handy-Sammelaktion geht zu hundert Prozent an das Gorilla-Schutzprojekt der ZGF. Peter Schecher hat sich zudem ein sportliches Ziel gesetzt: Den Kölner Zoo, der ebenfalls Handys für die gute Sache sammelt, zu toppen. Aktuell führen die Kölner mit 600 zu 300. Doch er setzt alles daran, das Spiel noch zu drehen. Soviel praktische Nachhaltigkeitsarbeit  finden wir gut, und es hat etwas Befreiendes für unsere theorievernebelten Köpfe. Wieder aufnahmefähig kehren wir zurück zu den Lohas-Vorträgen,  in die Welt der nachhaltigen Theorie, nicht ohne Peter Schecher die volle Unterstützung von MAGs.e.i.n. zu versichern. (Foto: E. van der Holifeld)

Mehr Informationen über die Arbeit der Naturschutz-Botschafter gibt es unter www.naturschutz-botschafter.de



Karma Konsum Konferrenz
19. Juni 2009, 06:40
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In 5 Minuten beginnt die jährliche Konferrenz. MAGs.e.i.n. ist dabei!

Stunden später: Ja wir waren dabei, sind infovollgestopft, erschlagen und noch etwas ratlos. Der theoretische Boden ist das Eine, der praktische Ansatz, so viele wie möglich von den Themen zu überzeugen, schon etwas schwieriger. Das Ganze runterbrechen auf viele kleine Ansätze, und dann rein damit ins pralle Leben, voll in die Mitte. Das wird es wohl sein. Unse Fazit: Weitermachen wie gehabt, in kleinen Häppchen, vielleicht nun mit etwas mehr Wissenswürze dran.



Auf zu neuen Lohas-Ufern
2. Juni 2009, 16:40
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Da wir in der ökologischen Praxis bekanntlich schwächeln, gehen wir jetzt aufs Ganze und mitten hinein in die Welt der Lohas. Denn am 19. und 20. Juni 2009 treffen sich bei der dritten KarmaKonsum Konferenz in Frankfurt Unternehmer, Macher, Marketing-Fachleute, Trendforscher, also Leute, die wirklich Bescheid wissen, wenn es um die ökologisch und nachhaltig sinnvolle Gestaltung von Unternehmen, Märkten und Konsumlandschaften geht. Die zweitägige Veranstaltung, so verkündet Karmakonsum per Pressemitteilung, bietet hochkarätige Referenten aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Kultur, die unter unterschiedlichen Aspekten eine Neudefinition der Wirtschaft aufzeigen. So referiert Hans Reitz über das Thema “Social Business”. Thomas Perry von SinusSociovision stellt eine Studie über “Lohas: Von der Avantgarde zum Mainstream – eine soziokulturelle Segmentierung” vor. Durch das Programm führt Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur der taz und Autor des Buches “Öko. Al Gore, der neue Kühlschrank und ich”. Schon allein dieses Titels wegen fanden wir von der MAGs.e.i.n.-Redaktion, dass dies der richtige Schnupperplatz für unser Lohäsle ist. Wir werden uns umhören, uns schlau machen und erhoffen für uns ein wenig Lohas-Erleuchtung auf diesem “branchenübergreifenden Treffpunkt für ökosoziale Vordenker”.



Recycling mal anders
22. April 2009, 14:45
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Da kannst Du sagen, was Du willst: wenn es um Kampagnen geht, machen es uns die Amis eben immer noch vor. Vergiss Michael Mittermaier, Mario Barth & Co. Hier kommt Jim Breuer!



Mein dicker fetter Fußabdruck
11. Februar 2009, 15:08
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fussabdruck

„Nicht schlecht“, loben mich die Macher von  www.footprint.ch. Denn  „Sie liegen unter dem Schweizer Durchschnitt von 2,9 Planeten. „Aber“, folgt der erhobene Zeigefinger, „wenn alle Erdenbewohner denselben Lebensstil hätten wie Sie, bräuchten wir immer noch 1,8 Planeten, um unseren Ressourcenverbrauch nachhaltig zu decken.“  So schaut sie also aus, meine ganz persönliche CO²-Bilanz nach einem  virtuellen Check meiner Lebensgewohnheiten. Auf den ersten Blick ein akzeptabler ökologischer Fußabdruck, aber ehrlich gesagt…

 

Der Reihe nach. Reinen Herzens beantworten  konnte ich die erste Frage – nach Geschlecht und Alter. Geknickt gab ich weiter zu Protokoll: Ich bewohne zu viele Quadratmeter, und das auch noch freistehend. Fensterläden schließe ich nachts nie, weil ich keine habe. Meine gute Duschbilanz zerstört der tropfende Wasserhahn in der Küche. An meiner Kühlschranksituation hat sich nix geändert: Der alte Brummer hat mitnichten die Energieeffizienzklasse A. Glaubhafte Zeugen meiner ganz persönlichen Umweltpolitik der kleinen Schritte sind lediglich Energiesparlampen und der Rundum-Verzicht auf Stand-by.

 

Die Fragen wurden heikler: Welches Verkehrsmittel ich hauptsächlich für den Arbeitsweg benutze? Meine Beine (lustiges Vehikel und Antwort 1), denn die tun’s mir bis zum Home-office. Unberücksichtigt ließ ich die regelmäßigen Kundenbesuche per Auto im Umkreis von 80 Kilometern. Ich schwöre, im Affekt, weil schneller geklickt als nachgedacht. Statt Planetenmord plädiere ich deshalb auf Planetentotschlag. Eine weitere schwammige Angelegenheit: die Selbsteinschätzung meiner Essgewohnheiten. Im Moment des Mausklicks war ich zutiefst davon überzeugt, weniger als zweimal die Woche (zweitbeste Antwort) Fleisch zu essen. Dabei fokussierte sich mein inneres Auge zu sehr auf Braten, Steaks, Leberkäsweckle – blind war es bezüglich meines täglichen Wurstkonsums. 

 

Wenig optimales Küchengerät brachte mich ebenfalls in Teufelsküche. Von meiner bescheidenen Abfalltrennung in Gelber Sack, Restmüll und Altpapier ganz zu schweigen. Mein Fußabdruck wurde immer dicker und fetter. Wenigstens meine Freizeitbeschäftigungen wie Lesen und Spazieren fanden Gnade. Warum jedoch, wenn ich die Antwortmöglichkeiten richtig einordne, neben Skifahren und Motorradfahren Hallensport zu den Umwelttodsünden zählt, bleibt rätselhaft. Schwitzt der Mensch CO²?

 

Im Verlauf der Befragung verstrickte ich mich immer weiter in ein Netz aus Halbwahrheiten. Die niederträchtigste aller Antworten gab ich auf die Frage nach der Anzahl meiner Flüge im letzten Jahr: null, mangels Zeit und Kohle (!), ergo wahrheitsgetreu. Aber näher betrachtet nur heiße, CO²-geschwängerte Luft: Denn setze ich 2009 meine Urlaubspläne wunschgemäß um (Kreta, Rom und/oder Shopping in New York), mutiere ich zu einem schrecklichen Bigfoot-Monster. Dann bin ich kein Molekül besser als die Schweden (im Footprint-Ranking der Umweltsünder mit 3,4 Planeten auf Platz zwei, was ich von den Bewohnern Lönnebergas nun wirklich nicht gedacht hätte). Oder ich ziehe je nach Flugstunden gar mit den US-Amerikanern gleich (nicht überraschend die größten Öko-Ferkel mit 6 Planeten). Spätestens dann muss ich wohl ins platte Weltverbesserer-Mantra einstimmen und geloben:  ja, auch ich sollte können müssen.



TV-Schnäppchen versa Öko-Kühlung
2. Dezember 2008, 19:19
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flatscreenDa stand er im Schaufenster, riesig und runter gesetzt. Halbe Stunde später war er gekauft. Ein Tag später geliefert. Jetzt hab ich TV-technisch einen Sprung von gefühlten zehn auf zehn Zentimetern auf 27 Zoll gemacht. Der Bildschirm füllt das halbe Wohnzimmer aus, und doch ist er so fein, so filigran, so unheimlich flach. Die Farben sind prächtig, ebenso meine Stimmung. Und dann am selben Abend, Deutschland-England, die vermeintlich ideale Flatscreen-Premiere. Schwamm drüber. Im Hintergrund rumpelt der Kühlschrank. Schnell in die Gebrauchsanleitung meines neuen Babys geschaut: Wie viel Watt sind noch mal öko-vertretbar? Und wie war das mit dem Stand-by-Modus? Aber ein neues Gerät ist doch in jedem Fall energiesparender als ein altes! Meine ich. Ist doch eigentlich auch logisch, muss ich gar nicht erst nachschlagen. Ist eh so dick, die Anleitung. Zudem habe ich TV, Digi-Box und Co. nun an einer Steckerleiste hängen mit rotem Ausschaltkopf, ich meine Knopf. Das mach ich jetzt jeden Abend, das Knöpfchen drücken. Bestimmt. Morgen tau ich das Gefrierfach ab. Das soll ja auch was bringen. Hab ich gehört. Und ab sofort spar ich auf einen neuen Kühlschrank. Ehrlich.



Mit schwirrender Birne
18. November 2008, 14:17
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Ich will sie gar nicht kennen, die Energiebilanz meines bescheidenen, dafür aber gut ausgeleuchteten Haushaltes. Und weil mein Budget weder ein Dreiliterauto noch einen ökovorzeigbaren Kühlschrank  hergibt, konzentriere ich mich im ersten Schritt auf das Ersetzen sämtlicher Glühbirnen. Nur, welche passt wo rein? Ich habe eine Kiste voll, neuwertig, gekauft ohne Sachverstand. Jetzt werden sie wohl nie das Licht der Welt erhellen, weil öko-bäh. lampeDamit der Haufen nicht weiter anwächst, geh ich diesmal auf Nummer sicher, dreh aus sechs Lampen das Innenleben raus und habe im Ergebnis vier unterschiedliche Größen und Gewinde. Ich setz noch einen drauf, ordne die Lampen per Klebezettelchen den Birnen zu und fahr mit meinen Belegexemplaren –heißa, auf dem Rad! – in den Baumarkt. Ich schnapp mir den erstbesten Orangekittel. Er schielt ein wenig, ist ansonsten aber ganz bei mir. Freundlich rät er zu diversen Energiesparmodellen. Mit Blick aufs Preisschild überschlage ich, dass, wenn ich konsequent alle bösen Lampen zu Gutlampen mache, zumindest ein halber Kühlschrank drin gewesen wäre. Leider habe ich die Schreibtischlampenbirne vergessen und auch das Birnchen vom Nachttischlämpchen und die von der Wandlampe im Hausflur, die mir beim Birneneinkauf von jeher die meisten Probleme bereitete. Weshalb ich mich des Nächtens über Monate im Dunkeln ins Wohnzimmer tasten musste. Überhaupt: Wie ich an die Leuchtkörper in den festinstallierten Deckenstrahlern kommen soll… damit darf ich mich jetzt nicht aufhalten, ich halte es mit Scarlett O’Hara und verschiebe diesen lästigen Gedanken auf ein ungewisses Morgen. Warum verfügen alle von mir benötigten Birnen über unterschiedliche Birneneinstecktechniken? Mit zwei Drähten – oder drei? -, geschraubt, gesteckt, unterschiedlich gewindet (oder gewunden?)…kein klarer Gedanke mehr möglich. Mir schwirrt die Birne. Meine wirren Beschreibungsversuche nimmt die nette Baumarktfachkraft zwar geduldig zur Kenntnis, doch es hilft nix, ich muss noch mal kommen. Am besten mit sämtlichen Lampen im Gepäck. Ich seh keinen anderen Ausweg. Mit dem Rad wird das allerdings schwierig. Muss dann wohl das Auto herhalten. Muss ja auch mal drin sein, der Umwelt zuliebe.